Im Entwurf steht, du hättest ein Team geführt. Du hast aber nur gelegentlich neue Kolleginnen eingearbeitet. Der Satz klingt überzeugend und ist trotzdem falsch. Genau deshalb beginnt die Prüfung einer KI-Bewerbung bei den Aussagen über dich.
KI kann dir Formulierungen und einen Aufbau vorschlagen. Welche Erfahrungen stimmen, welche Beispiele passen und was du im Gespräch vertreten kannst, musst du selbst entscheiden. Mit dem folgenden Ablauf überarbeitest du einen Entwurf, ohne wieder vor einem leeren Blatt anzufangen.
Sammle Fakten, bevor du einen Text erzeugst
Lege eine kurze Notiz mit deinen tatsächlichen Aufgaben an. Dazu gehören die Zielstelle, passende Tätigkeiten, verwendete Werkzeuge und ein oder zwei konkrete Situationen. Ergänze auch, welche Erfahrung du noch nicht hast.
Je genauer diese Grundlage ist, desto leichter kannst du den Entwurf später kontrollieren. Der Auftrag „Schreib eine überzeugende Bewerbung“ lässt dagegen viel offen. Auch die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass KI-Vorschläge falsche Angaben enthalten können und an die eigene Person angepasst werden müssen. Bewerben mit KI
Eine nützliche Arbeitsanweisung wäre: „Verwende ausschließlich die folgenden belegbaren Erfahrungen. Stelle Rückfragen, wenn dir eine Angabe fehlt. Ergänze keine Erfolge, Abschlüsse oder Kenntnisse.“ Auch mit dieser Vorgabe bleibt die anschließende Prüfung nötig.
Begrenze die Daten, die du eingibst
Für eine sprachliche Überarbeitung brauchst du nicht zwangsläufig deine vollständige Adresse oder die Namen ehemaliger Kunden. Du kannst personenbezogene Angaben zunächst durch Platzhalter ersetzen und sie im fertigen Dokument ergänzen. Vertrauliche Informationen deines Arbeitgebers gehören ebenfalls nicht ungeprüft in ein externes Tool.
Prüfe beim verwendeten Dienst, wie Eingaben gespeichert und verarbeitet werden. Das BSI beschreibt die mögliche Weiterverarbeitung eingegebener Daten als Risiko generativer KI-Dienste; maßgeblich sind unter anderem Anbieter und Nutzungsbedingungen. BSI zu Risiken generativer KI
Die praktische Frage lautet: Welche Information benötigt dieses Tool für genau diese Aufgabe? Lass weg, was dafür keinen Beitrag leistet.
Prüfe jeden Satz auf seinen Wahrheitsgehalt
Gehe den Entwurf langsam durch. Markiere jede Aussage über deine Kenntnisse, Verantwortung und Ergebnisse. Vergleiche sie mit deinen Unterlagen und deiner Erinnerung.
Besonders aufmerksam solltest du bei Verben sein: Hast du ein Projekt geleitet oder daran mitgearbeitet? Hast du eine Entscheidung getroffen oder die Unterlagen dafür vorbereitet? Hast du ein Programm regelmäßig verwendet oder nur kennengelernt?
Im fiktiven Beispiel wird aus „Ich habe die Schulung neuer Mitarbeitender verantwortet“ eine genauere Aussage:
Ich habe neue Kolleginnen und Kollegen am Empfang in die Terminvergabe eingearbeitet und ihre ersten Rückfragen im Arbeitsalltag beantwortet.
Die zweite Formulierung wirkt kleiner, vermittelt aber eine klare Tätigkeit. Du kannst dazu eine echte Situation beschreiben. Das ist für eine Bewerbung wertvoller als eine Verantwortung, die du nie getragen hast.
Ersetze allgemeine Eigenschaften durch eine Situation
Sätze wie „Ich bin engagiert, kommunikativ und lösungsorientiert“ können auf viele Menschen passen. Frage bei jedem Adjektiv: Woran würde jemand das in meiner Arbeit erkennen?
Vielleicht hast du Rückfragen gesammelt, statt sie einzeln weiterzugeben. Vielleicht hast du bei einer Veranstaltung den Überblick über geänderte Termine behalten. Notiere die Handlung und ihren Zusammenhang. Übernimm kein Beispiel, nur weil es gut klingt.
Wenn du unsicher bist, ob die Situation zur Stelle passt, lege die Anzeige daneben. Das Vorgehen zum Anschreiben schreiben hilft dir, Aufgaben und eigene Belege zusammenzubringen.
Gib dem Text deine Sprache zurück
Lies den Entwurf laut vor. Bei welchem Satz würdest du im Gespräch ins Stocken geraten? Welche Wendung würdest du selbst nie verwenden? Vereinfache sie.
Aus „Meine ausgeprägte Serviceorientierung ermöglicht die nachhaltige Optimierung kundenzentrierter Prozesse“ kann werden:
Ich möchte Kundenanfragen so bearbeiten, dass die nächsten Schritte für alle Beteiligten klar sind.
Ob der zweite Satz in deine Bewerbung gehört, hängt wiederum von deiner Erfahrung und der Stelle ab. Einfachere Sprache ersetzt keine inhaltliche Prüfung. Sie hilft dir aber, den Gedanken dahinter zu erkennen.
Für einen konkreten Anfang kannst du die Einstiege fürs Anschreiben als Anregung nutzen und mit deinen eigenen Fakten füllen.
Beantworte vor dem Versand drei Fragen
Kannst du jede Erfahrung im Text erläutern? Ist er erkennbar auf die ausgeschriebene Aufgabe bezogen? Stimmen Name, Unternehmen und Stellenbezeichnung auch nach der letzten Überarbeitung?
Lass den Entwurf möglichst von einer zweiten Person lesen. Bitte sie ausdrücklich, nach unklaren oder übertriebenen Aussagen zu suchen. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt ebenfalls die persönliche Überarbeitung und eine zusätzliche Korrektur. Kontrolle von KI-Entwürfen
Bewahre die geprüfte Fassung auf. Für das Vorstellungsgespräch ist es hilfreich, genau den Text vor dir zu haben, mit dem du dich beworben hast. Dein nächster Arbeitsschritt ist deshalb kein neuer Prompt: Prüfe den ersten Absatz und korrigiere jede Aussage, die nicht genau stimmt.

